Freitag noch warst du Teil des Teams, montags bist du plötzlich der Chef derselben Leute. Eine Schulung? Fehlanzeige. Du wurdest befördert, weil du fachlich überzeugt hast – nicht, weil dir jemand gezeigt hätte, wie man führt. Willkommen im Club der „Accidental Manager": Leute, die in eine Führungsrolle rutschen und dann aus dem Bauch heraus führen, Vorbilder kopieren (gute wie schlechte) und mehr reagieren als gestalten.
So kommst du aus dem Bauch-Führen heraus
Du bist nicht allein – und genau das ist das Problem
Laut einer Studie des Chartered Management Institute haben 82 % der Führungskräfte nie eine formale Führungsausbildung durchlaufen. Und das hat Folgen: Fast ein Drittel der Beschäftigten hat schon einmal wegen einer schlechten Führungskraft den Job gewechselt. Die gute Nachricht: Weil so viele unvorbereitet führen, ist der Maßstab niedrig. Du musst nicht herausragend sein – nur bewusster führen als die meisten.
Drei Fallen, die fast alle treffen
- Mikromanagement. Du machst die Arbeit selbst, weil es schneller geht. Die Folge: Dein Team lernt nichts, du bist überlastet, niemand entwickelt sich.
- Vage Erwartungen. Du gibst einen Auftrag so weiter, wie du ihn als Fachkraft verstanden hättest – aber deinem Team fehlen die Hintergründe, die für dich selbstverständlich sind. Das Ergebnis weicht ab, du korrigierst nach oder machst es am Ende selbst. Und dein Team lernt: passt ja sowieso nie.
- Konfliktvermeidung. Schwierige Gespräche werden aufgeschoben, bis sie eskalieren. Aus kleinen Problemen werden große.
Was du in den ersten 90 Tagen tun solltest
- Erwartungen klären – nach oben. Was wird von dir erwartet? Welche Prioritäten, Entscheidungsräume, Ressourcen? Schriftlich festhalten.
- 1:1 mit jedem im Team – 30 Minuten: Was läuft gut, was nicht, was wünschst du dir von mir?
- Wochen-Check-ins – kein Status-Theater, sondern: Wo brauchst du Klärung, wo hakt es?
- Die erste schwierige Situation früh ansprechen. Wer Konflikte aufschiebt, reagiert irgendwann plötzlich ganz anders als sonst – und für das Gegenüber wirkt das dann leicht übertrieben, obwohl die Reaktion längst überfällig war. Eine kleine, frühe Ansprache ist fairer und wirksamer als der späte große Knall.
- Zwei pragmatische Bücher: Andy Grove, „High Output Management", und Patrick Lencioni, „Death by Meeting".
- Reflexions-Routine: freitags 10 Minuten, schriftlich. Was lief diese Woche, was würdest du anders machen?
Wann sich eine strukturierte Nachschulung lohnt
Selbstlernen trägt bei den Grundlagen. Bei zwei Themen aber reichen Bücher schnell nicht mehr: schwierige Personalgespräche und eskalierende Konflikte. Beides lernt man am besten im geschützten Raum, mit echtem Feedback. Genau dafür ist unser Planspiel LEAD gemacht: sechs Wochen Führung live in einer sicheren Umgebung – üben, Fehler machen, Feedback bekommen, bevor es im echten Job zählt.
Du musst nicht der beste Manager der Welt werden. Es reicht, bewusster zu führen als die meisten. Wenn „Imitation reicht nicht mehr" auf dich zutrifft, lohnt sich ein kurzes Erstgespräch: Wir schauen gemeinsam, ob ein strukturierter Karrierepfad passt – oder ob dir Selbstlernen plus ein, zwei gezielte Module reichen.
Quelle: Chartered Management Institute (YouGov-Befragung), 2023.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung. Stand: 2026.