Kurz zusammengefasst
- Die Liste der Zukunftsfähigkeiten ist erstaunlich stabil: kritisches Denken, Kommunikation, Zusammenarbeit, Kreativität und die Fähigkeit, Neues zu lernen.
- Die Idee ist über 50 Jahre alt: 1974 beschrieb Dieter Mertens, Gründungsdirektor des Forschungsinstituts der Bundesanstalt für Arbeit, „Schlüsselqualifikationen“: Fähigkeiten, die schnell veraltendes Fachwissen immer wieder neu erschließen.
- KI verschärft sein Argument: Wenn Wissen jederzeit abrufbar ist, macht vor allem ein Denken den Unterschied, das prüft, verknüpft und urteilt.
Eine alte Antwort auf eine neue Frage
Wenn heute von „21st Century Skills“ oder „Future Skills“ die Rede ist, klingt das nach etwas Neuem. Die Idee dahinter ist es nicht. 1974 veröffentlichte Dieter Mertens den Aufsatz „Schlüsselqualifikationen. Thesen zur Schulung für eine moderne Gesellschaft“. Mertens war Gründungsdirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), des Forschungsinstituts der damaligen Bundesanstalt für Arbeit. Dieselbe Behörde fördert heute als Bundesagentur Weiterbildung über den Bildungsgutschein.
Sein Argument: Fachwissen veraltet immer schneller, und niemand kann sicher vorhersagen, welches Wissen in zehn Jahren gebraucht wird. Immer mehr Stoff in die Ausbildung zu packen, hilft deshalb wenig. Wichtiger sind Fähigkeiten, die wie ein Schlüssel wirken: Sie erschließen neues Fachwissen schnell, wenn es gebraucht wird. Mertens nannte sie Schlüsselqualifikationen, „weil sie den Schlüssel zur raschen und reibungslosen Erschließung von wechselndem Spezialwissen bilden“. Er behielt recht.
Zwei seiner Sätze lesen sich, als wären sie für das Jahr 2026 geschrieben. Der Kopf solle „nicht mehr als Speicher von Faktenkenntnissen, sondern als Schaltzentrale für intelligente Reaktionen“ genutzt werden. Und: „Schulung ist Denkschulung.“ Zu den wichtigsten Schlüsselqualifikationen zählte er kritisches, kooperatives und kreatives Denken sowie das Lernen des Lernens.
Seine Liste ist allerdings kopflastig. Zusammenarbeit kommt bei ihm vor, aber als „kooperatives Denken“, also als Denkleistung. Dass Kommunikation, Konfliktklärung und Überzeugen ein eigenes Handwerk sind, das man übt und nicht nur versteht, rückte erst in den Jahrzehnten danach in den Vordergrund.
Was die Welt heute für wichtig hält
Seit Mertens haben Regierungen und Organisationen die Liste immer wieder neu aufgeschrieben, von Washington über Paris und Brüssel bis Tokio. Bei den Fähigkeiten selbst sind sie sich weitgehend einig. Unterschiedlich ist, worauf sie bauen:
Warum KI das Argument verschärft
Mertens’ Grundgedanke war, dass Wissen veraltet. Heute kommt hinzu, dass Wissen jederzeit abrufbar ist, über eine Suchmaschine oder einen KI-Assistenten in Sekunden. Damit verschiebt sich, was den Unterschied macht: nicht mehr, wer etwas weiß, sondern wer die Antwort prüfen kann, wer Informationen verknüpft und wer am Ende urteilt.
Drei Fähigkeiten gewinnen dadurch an Gewicht:
- Prüfen. Antworten hinterfragen, Quellen einordnen, Fehler erkennen. Was früher „kritisches Denken“ hieß, wird zur täglichen Arbeitsaufgabe, gerade im Umgang mit KI.
- Verknüpfen. Aus Einzelteilen ein Gesamtbild machen, Zusammenhänge erkennen, Menschen und Ideen zusammenbringen.
- Urteilen und entscheiden. Auch unter Unsicherheit zu einer Entscheidung kommen und sie vertreten.
Dazu kommen die Fähigkeiten, die Mertens nur als Denkleistung fasste: im Team arbeiten, Konflikte klären, andere überzeugen. Sie hängen an Menschen und Beziehungen und lassen sich deshalb am wenigsten an eine Maschine abgeben.
Drei Fallen, die fast alle treffen
- Ein Werkzeug statt einer Fähigkeit. Wer nur lernt, welche Knöpfe ein KI-Werkzeug hat, steht beim nächsten Werkzeug wieder am Anfang. Was bleibt, ist die Fähigkeit, Ergebnisse zu prüfen und einzuordnen.
- Zuhören statt üben. Kommunikation, Konfliktklärung und Entscheiden lernt man nicht aus Vorträgen. Sie entstehen erst, wenn man sie in echten Situationen übt und danach reflektiert.
- Fachwissen gegen Fähigkeiten ausspielen. Mertens wollte Fachwissen nicht ersetzen, sondern erschließbar machen. Wer nur noch auf „Soft Skills“ setzt, hat nichts, worauf sie wirken können.
Häufige Fragen
Was sind Schlüsselqualifikationen?
Übergreifende Fähigkeiten, die in vielen Berufen und Situationen nützen und das Lernen von neuem Fachwissen erleichtern. Dieter Mertens hat das Konzept 1974 in einem Aufsatz für das IAB ausgearbeitet; den Begriff selbst gab es vereinzelt schon vorher.
Welche Fähigkeiten werden durch KI wichtiger?
Vor allem das kritische Prüfen von Informationen, das Urteilen und Entscheiden sowie Fähigkeiten im Umgang mit Menschen: Kommunikation, Zusammenarbeit und das Klären von Konflikten.
Kann man diese Fähigkeiten in einer Weiterbildung lernen?
Ja, wenn die Weiterbildung auf Übung setzt statt auf reine Wissensvermittlung. Viele solcher Weiterbildungen lassen sich mit einem Bildungsgutschein fördern.
Wo du das üben kannst
Unsere Einzelkurse setzen genau hier an: Entscheidungsmanagement, Konfliktmanagement & Mediation, Präsentation & Kommunikation, Moderation & Workshop-Facilitation, Teamwork & Trust Building, und KI im Arbeitsalltag, wo du lernst, KI-Ergebnisse zu prüfen und sinnvoll einzusetzen. Die Kurse dauern je zwei Wochen, enden mit einer Arbeitsprobe statt einer reinen Wissensprüfung und sind mit Bildungsgutschein förderbar.

