Kurz zusammengefasst
- 1957 beschrieb C. Northcote Parkinson das Gesetz der Trivialität: Ein Gremium verbringt die meiste Zeit mit dem billigsten Punkt der Tagesordnung.
- Der Grund ist nicht Dummheit, sondern Vertrautheit. Jeder kann etwas über einen Fahrradschuppen sagen, kaum jemand über einen Atomreaktor.
- Wer Sitzungen leitet, muss das aktiv verhindern. Von allein passiert es nicht.
Der Fund
Cyril Northcote Parkinson war Marinehistoriker. 1955 veröffentlichte er in der Zeitschrift The Economist einen satirischen Aufsatz mit dem Satz, der ihn berühmt machte: Arbeit dehnt sich aus, bis sie die verfügbare Zeit füllt. Zwei Jahre später erschien daraus das Buch „Parkinson’s Law“.
Darin steht ein zweites Gesetz, das im Economist noch gefehlt hatte: das Gesetz der Trivialität, im Kapitel „High Finance, or the Point of Vanishing Interest“. Die Zeit, die ein Gremium für einen Tagesordnungspunkt aufwendet, steht im umgekehrten Verhältnis zur Summe, um die es geht. Je billiger, desto länger.
Im Original
Parkinson lässt einen Finanzausschuss drei Punkte beraten. Die Beträge stammen aus der britischen Ausgabe:
- Punkt neun: ein Atomreaktor. Zehn Millionen Pfund. Erledigt in zweieinhalb Minuten. Ein Mitglied stört die runde Summe, aber es fragt nicht nach, weil es dann erklären müsste, was ein Reaktor ist.
- Punkt zehn: ein Fahrradschuppen für die Angestellten. 350 Pfund. Fünfundvierzig Minuten Diskussion über Dach und Material, am Ende vielleicht 50 Pfund gespart. Parkinson: Jeder kann sich einen Fahrradschuppen vorstellen.
- Punkt elf: Kaffee für die Sitzungen des Sozialausschusses. Ein Pfund fünfzehn Schilling im Monat, rund 21 Pfund im Jahr. Eineinviertel Stunden Debatte, dann wird der Punkt auf die nächste Sitzung vertagt. Denn über Kaffee weiß jeder Bescheid.
Übersetzt
Menschen diskutieren dort, wo sie beitragen können. Je größer und fremder ein Thema, desto weniger Widerspruch erzeugt es — nicht weil es unstrittig wäre, sondern weil niemand seine Unkenntnis zeigen möchte.
Das hat eine unangenehme Folge: Die teuersten Entscheidungen bekommen die geringste Prüfung. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil Gremien den Weg des geringsten Erklärungsbedarfs gehen. Und der billigste Punkt wurde nicht einmal entschieden.
Die Gegenmaßnahme ist unspektakulär: Reihenfolge und Zeitbudget vorher festlegen — nach Tragweite, nicht nach Bequemlichkeit.
Die Probe
Nimm das Protokoll eurer letzten Sitzung. Welcher Punkt hat am längsten gedauert, und welcher war der teuerste?
Wenn es nicht derselbe war: Wie viel Zeit habt ihr dem teuersten gegeben?
Wo man das lernt
Eine Tagesordnung nach Tragweite zu bauen und sie im Termin durchzuhalten, ist Moderationshandwerk. Es entscheidet darüber, ob eine Sitzung etwas hervorbringt.

